Brunnen oder Regenwassertank?

Brunnen oder Regenwasser

Wer eine Alternative zum teuren Leitungswasser sucht, hat die Qual der Wahl

Regenwassernutzung, ob im kleinen Stil mit Regentonne oder im großen Maßstab mit einer kompletten Regenwassernutzungsanlage oder ein eigener Brunnen. Doch welches Modell ist das wirtschaftlichere? Und wieviel Wasser braucht man eigentlich? In Deutschland verbraucht jeder Bürger im Durchschnitt 127 Liter Trinkwasser am Tag. Allein 20 Liter davon werden statistisch für die Gartenbewässerung genutzt. Was für eine Verschwendung von wertvollem Trinkwasser – und Geld.

Steigende Preise für Trinkwasser und Abwasser in Verbindung mit einer erhöhten Sensibilität für das kostbare Gut Trinkwasser haben in den letzten Jahren zu einer deutlichen stärkeren Nachfrage für die Installation von Anlagen zur Regenwassernutzung oder den eigenen Brunnen geführt.

Wer seinen Garten mit normalem Leitungswasser gießt, zahlt – je nachdem in welcher Gemeinde er wohnt – teilweise mehrere Euro pro Kubikmeter. Dieses Geld kann man sich sparen, wenn man seinen Garten mit Brunnenwasser oder Regenwasser aus einer Zisterne bewässert. Zisternen sind Wasserspeicher aus Kunststoff oder Beton, die das über das Dach ablaufende Regenwasser sammeln und für Garten und Haushalt zur Verfügung stehen. Eine Zisterne wird in der Regel im Garten vergraben und angeschlossen.

Regenwasserzisterne kann mehrere tausend Euro kosten


Eine Regenwasserzisterne ist nicht ganz billig. Allein für einen Speicher mit 4.000 bis 5.000 Litern Fassungsvermögen aus Kunststoff muss man mit rund 1.000 Euro rechnen. Hinzu kommen die Kosten für das Zubehör wie Filter und Pumpe sowie der Einbau. Es gilt schließlich 4 bis 5 m3 Erde zu bewegen. So kann sich das Vorhaben schnell auf mehrere tausend Euro summieren. Wer die Arbeiten in Eigenregie erledigt, kann selbstverständlich einiges sparen, muss aber Zeit und Kraft mitbringen.
In jedem Fall sollte man vorab genau kalkulieren, ob sich die Zisterne überhaupt lohnt: Da die Kosten für Leitungswasser regional sehr unterschiedlich sind, ist eine individuelle Berechnung empfehlenswert.
Abhängig vom Fassungsvolumen, kann die Zisterne an Tagen mit sehr starken Regenfällen schnell voll sein. Deshalb braucht sie einen Zisternenüberlauf. Dieser kann entweder an die Kanalisation angeschlossen werden oder es wird zusätzlich eine Versickerungsanlage gebaut. Das überschüssige Regenwasser kann dann ins Erdreich gelangen.

Da die Kosten für den Speicher bis zu 50% der Anlagenkosten betragen, kommt der Ermittlung des tatsächlich notwendigen Speichervolumens eine besondere Rolle zu. Das Fassungsvermögen ist zum einen von der zur Verfügung stehenden Dachfläche und zum anderen von der zu entnehmenden Wassermenge abhängig.
Bei einer Dachfläche von 150 m2 ergibt sich unter Berücksichtigung eines jährlichen Niederschlags von 800 mm eine Speichergröße von 4500 l. Bei gänzlich gefüllter Zisterne bleibt man so eine gewisse Zeit unabhängig. Trotzdem ist man irgendwann wieder auf Petrus angewiesen.

Während eine Anlage für die Gartenbewässerung jederzeit installiert werden kann, ist der Einbau einer Anlage für Haus und Garten durch das erforderliche Leitungsnetz in erster Linie bei Neubauten oder einer Gebäudesanierung interessant. Neben dem Einsatz für die Gartenbewässerung und Toilettenspülung ist zusätzlich die Regenwassernutzung zum Wäschewaschen möglich.

Der eigene Brunnen im Garten


Die Alternative zur Zisterne ist der eigene Brunnen im Garten. Doch einfach einen Brunnen bohren, ist nicht erlaubt. Eine Brunnenbohrung muss bei der örtlichen Wasserbehörde angezeigt werden. Liegt das Grundstück im Bereich einer Wasserschutzzone ist eine zusätzliche Genehmigung erforderlich. Der örtliche Brunnenbau-Fachbetrieb und die Wasserbehörde können darüber in den meisten Fällen Auskunft erteilen. Auch Angaben über die Tiefe, in der Wasser zu erwarten ist und die lokale Wasserqualität lässt sich erfragen.
Die einfachste und kostengünstigste Variante des Brunnenbaus ist dabei der Rammbrunnen, bei dem ein Rohr tief in den Boden gerammt wird. Im unteren Bereich befindet sich ein Filter und das Grundwasser wird mittels Handpumpe nach oben befördert. Der Nachteil: Der Grundwasserstand darf nicht tiefer als etwa sieben Meter unter Gelände liegen, da ansonsten die Kraft der Pumpe nicht ausreicht, das Wasser an die Oberfläche zu befördern.

Liegt das Grundwasser tiefer, sind komplexere Brunnen nötig. In der Regel wird dann ein Bohrbrunnen erstellt. Er erschließt sehr viel tiefer gelegene Grundwasserschichten. Für die Bohrung können als Faustregel 100 Euro pro Meter Bohrtiefe einkalkuliert werden. Dieses kann aber je nach Bodenbeschaffenheit variieren.

Kosten und Wirtschaftlichkeit


Die Kosten für einen durchschnittlich aufwändigen Bohrbrunnen liegen in der Regel unter den Kosten für eine Regenwassernutzungsanlage an gleicher Stelle.

Für die Entscheidung gilt es, folgende Punkte gründlich zu bedenken bzw. zu recherchieren: Die geplante Wasserverwendung, der Wasserbedarf und das notwendige Speichervolumen, die Bohrtiefe für den Brunnen, den örtlichen Wasser- und Abwasserkosten, sowie der Installationsaufwand (Erdarbeiten etc.). Es ist auf jeden Fall nützlich, sich einmal in der Nachbarschaft nach installierten Brunnen oder Regenwassernutzungsanlagen umzusehen und Erfahrungen aus erster Hand zu sammeln. Alternativ setzten Sie sich mit einem Brunnenbauer in Ihrer Nähe in Verbindung.
Die Wirtschaftlichkeit der Brunnenwasser – oder Regenwassernutzung hängt entscheidend davon ab, ob in der jeweiligen Gemeinde die Abwassergebühren für das genutzte Regenwasser erhoben werden oder nicht.
Letztendlich gilt: Je teurer die kommunalen Wassergebühren, desto günstiger die Regenwasseranlage-Kosten.

Fazit:


Pro Brunnen:

+ Niedrigere Kosten für Installation ( Normalbedingungen)
+ Unabhängigkeit von der Niederschlagsmenge
+ Ganzjährig Wasser (solange frostfrei)
+ Bessere Wasserqualität (Gartendusche, Pool, etc.)
+ Weniger Platzbedarf
+ Einfache nachträgliche Installation
+ Niedrige Wartungskosten

Pro Regenwasserzisterne:
+ Sinnvoll bei Neubauten
+ Staatliche Förderung – Bezuschussung
+ Unabhängigkeit von Veränderungen des Grundwasserstandes